Wie das Genie in jedem Kinde (von uns) steckt und wie es konkret gefördert werden kann

David Shenk hat 2010 aus meiner Sicht ein bahnbrechendes Werk der neuesten Erkenntnisse über die Talent- und Intellekt-Forschung und die Sicht der neuen Wissenschaft (Biologie, Psychologie) darauf zusammengetragen und verfasst. „Das Genie in uns“ ermöglicht uns fantastisch neue Sichtweisen und Erkenntnisse über Begabung und Intelligenz! Wie Eltern das „Genie“ oder auch einfach Talent in jedem Kinde übergreifend fördern können, sollte kein Geheimnis bleiben…

Seit den 60er-Jahren gibt es schon sehr deutliche wissenschaftliche Hinweise, dass die bisherige (und allgemein anerkannte) Sicht der Experten für Intelligenz und Intellekt über die einschränkende, determinierte Prägung bei der Zeugung über die alles bestimmenden Gene überholt werden muss. Selbst die Mendelsche Vererbungslehre hält den neuen Erkenntnissen nicht wirklich stand (Details im Buch von David Shenk mit vielen Quellen-Nachweisen). Die Vorannahme, Intelligenz wird über die Gene vererbt und kann im Laufe des Lebens nicht verändert oder wesentlich entwickelt werden…IST SCHLICHTWEG FALSCH.

Folgende Erkenntnisse und Vorannahmen beschreibt David Shenk als die neuen, über hunderte von Studien haltbaren, Erkenntnisse der Wissenschaft:

  • Dass es nicht die Biologie (Anm.: Determination der Gene) ist, die das Niveau eines Individuums bestimmt (Gesellschaftliche, schulische und wirtschaftliche Faktoren leisten gut dokumentierte Beiträge dazu.)
  • Dass kein Individuum von der Natur auf sein ursprüngliches Niveau gleichsam festgenagelt wird.
  • Dass jeder Mensch, ja jede Gesellschaft klüger werden kann, wenn die Umwelt es von ihm bzw. ihr verlangt.

Die Quelle des wahren Talents, wird dagegen in der neuen Wissenschaft „ein dynamischer Prozess“ genannt. Hier beeinflussen sich Gene (die für die eigentliche Proteinherstellung verantwortlich sind), Proteine und Umwelt (bei Menschen sind das auch Gefühle, die Wahrnehmung von Impulsen und Verhaltensweisen wie z.B. die Ernährung, Haltungen, Einstellungen) ständig gegenseitig und entwickeln damit die eigentlichen Merkmale (phänomenologisch beobachtbar) über die Formung der Zellen.

Das ist wissenschaftlich gesehen ein Paradigmenwechsel, der sich schon lange anbahnte, aber sich kaum jemand traute in Frage zu stellen und damit auch die klassischen IQ- und Intelligenz-Tests und Persönlichkeitsanalysen. Wir müssen uns als Menschen demnach mehr und mehr als Systeme verstehen, die in Ressonanz mit Ihrer Umwelt und sich selbst sich dauerhaft in Entwicklung befinden. Es gibt mittlerweile auch viele faktische Beweise, dass sich bei erwachsenen Menschen spezielle Regionen des Kortex wesentlich entwickeln oder weiter-entwickeln bzw. vergrößern können, meist orientiert an den konkreten Umweltanforderungen – was man in der systemischen Arbeit auch als den Kontext bezeichnet.Das ist genau das, was Systemiker schon lange sagen: „Du solltest einen Menschen immer in seinem aktuellen Kontext betrachten und verstehen lernen.“

Bei Jugendlichen war zum Beispiel zu Zeiten der Tastatur-Handys im Gehirnscan zu beobachten, dass sich das Areal für den Daumen (sms schreiben) automatisch vergrößerte. Es gibt zum Beispiel auch eine Untersuchung Londoner Taxifahrer, die sich alle den äußerst schwierigen Stadtplan auswendig merken müssen. Alle haben einen vergrößerten Hippocampus als Areal für die Spezialisierung des Gehirns für das Behalten von räumlichen Repräsentationen. Und zwar je größer, je länger die berufliche Tätigkeit ausgeübt wird!

Unser Gehirn kann sich also auf Basis der aktuellen, relevanten Herausforderung und diszipliniertem Training ständig plastisch weiterentwickeln.

Wie kann man nun Kinder ganz konkret schon von Anfang an in Ihrer Entwicklung fördern?

Die ersten drei Jahre der Kinderentwicklung (auch pränatal, also vorgeburtlich) sind sehr maßgebend, für die Erhaltung, Entwicklung und Erweiterung unserer neuronalen Netzwerke. Wie wir von Prof. Dr. Gerald Hüther wissen haben wir vor und nach der Geburt faktisch die meisten neuronalen Nervenzellen zur Verfügung. Ein starker Hinweis darauf, dass wir auf die Welt kommen, um alles aufzunehmen, zu lernen, zu wachsen – dass wir genau darauf vorbereitet sind. Wie G. Hüther in seinen Vorträgen und Büchern ausführlich darlegt, am besten in einem Kontext, in dem Entwicklung, eigenständiges Lernen und Wachstum einhergehen mit einem eingebettet sein in einem geborgenen, liebevollen Umfeld.

David Shenk fasst sechs konkrete Tipps zusammen, die Kindern eine optimale neuronale Entwicklung zur Förderung von Talent und Intellekt ermöglichen.
Hier möchte ich sie leicht verkürzt zusammenfassen:

  • Kinder früh und oft ansprechen. Kindern eine stimulierende (Anm.: auch reichhaltige, füllige) Umwelt anbieten.
  • Früh und oft vorlesen. (Anm.: der Wortschatz und die unterschiedlichen und betonten und gehörten Wörter sind relevant)
  • Förderung und Ermutigung. (Anm.: auch positive Bestärkungen und Zuschreibungen, Belobigungen, ermutigen zu Angeboten)
  • Hohe Erwartungen artikulieren (Anm.: hiermit ist gemeint, dass die Umwelt etwas verlangt als Kompetenz, als relevanter Herausforderung. G. Hüther würde diesen Punkt vielleicht eher als „Einladung zu Neuem, inspirieren, selbst Lösungskompetenz zu relevanten Herausforderungen entstehen lassen“ formulieren)
  • Den Nutzen von Misserfolgen erkennen. An der Grenze lernt man Neues, Rückschläge oder Fehlversuche sind dabei als ein normaler Lernprozess und Lernhilfe zu betrachten. Nicht als Indizien für „Nicht-Können“.
  • Zu einer Wachstumsmentalität ermutigen. Kinder sollten an die Formbarkeit ihrer Fähigkeiten glauben und dass sie um so mehr Erfolg haben, je mehr sie überzeugt sind, diese Fähigkeiten entwickeln zu können.

Vertreter humanistischer Ansätze und Therapien wie auch zum Beispiel Vertretern des NLP oder der Systemik werden diese Hinweise nicht wirklich neu vorkommen. Im Gegenteil, dem einfachen und erfahrenen Praktiker tut es gut, dass das einmal ausgesprochen und zurecht gerückt wird. 2005 reißt Sternberg, eine der führenden Autoritäten auf dem Gebiet der Intellektforschung, eine Mauer ein was die bis dato wissenschaftliche Sicht auf IQ-Tests, Intelligenztest und den Glauben über den geprägten (gen-determinierten) Intellekt betrifft. Eine Mauer, die „die Öffentlichkeit bisher hinderte zu sehen, was Intelligenz in Wahrheit ist“. Er erklärte: „Intelligenz ist der Inbegriff für eine Reihe sich entwickelnder Kompetenzen“.

Oder wie David Shenk es beschreibt: „Mit anderen Worten: Intelligenz ist nichts Allgemeines, Generelles und sie ist auch nicht ein für alle Mal fixiert. Intelligenz ist kein Quantum. Intelligenz ist ein dynamischer, diffuser, unabgeschlossener Prozess.“

Gerade das Neuro Linguistische Programmieren bietet mit seinen seit nunmehr 40 Jahren ausgereiften NLP Techniken und Veränderungsmethoden hervorragende Möglichkeiten über die Aktivierung von Ressourcen persönliche Potenziale mehr und mehr zu eröffnen und weiter zu entwickeln.

Auch erlebte Blockaden und hinderliche Verhaltensweisen können bei Kindern und Erwachsenen (altersunabhängig) wieder in Fluss gebracht werden, so dass sich das „System“ (menschlicher Organismus) neu justieren kann. Menschen machen hier während professionell durchgeführten Ausbildungen in NLP, Coaching und systemischer Arbeit ganz praktisch und regelmäßig nämlich genau diejenigen Erfahrungen, die die neue Wissenschaft treffend beschreiben. Intelligenz, natürlicher Intellekt, neuronale Netzwerke und außerordentliche Fähigkeiten sind unabhängig vom Alter mit genügend emotionaler Begeisterung und in einem wertschätzenden Rahmen gezielt entwickelbar.

Oder wie D.Shenk es beschreibt. „Das ist die berühmte „Plastizität“: die angeborene Fähigkeit eines jeden menschlichen Gehirns, im Lauf der Zeit zu werden, was zu werden sein Besitzer von ihm verlangt.“

Es ist also an der Zeit darüber nachzudenken, wie jeder von uns eigentlich zu dem wurde, was er ist – und was er gerne verändern würde. Glaube und Freude in die persönliche Entwicklung, eigene und gegenseitige Wertschätzung auf Basis des Potenzialgedankens, dauerhafte Disziplin dranzubleiben und Wissen über effektive, schnelle Veränderungsmethoden sind dabei die einfachen Vehikel, die benötigt werden. Los geht´s!

Herzliche Grüße,
Ihr Michael Löhlein

NLP Lehrtrainer, Lehr-Coach
Leiter der Pfalz NLP Academy

 

 

 

Michael Löhlein

Michael Löhlein

Als NLP Lehr-Trainer und Lehr-Coach leitet Michael Löhlein die Pfalz NLP Academy in Neustadt a.W. Neben der Lehrtätigkeit sind seine Fokuspunkte in der Arbeit die Strategieentwicklung für KMUs, Teamentwicklungen, Gruppen Coachings, sowie das Business Coaching von Geschäftsführern und Führungskräften.

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