Wenn Comedians NLP anwenden … Darf er das?

Momentan verbreitet sich ein Auftritt des Künstlers Chris Tall bei TV total mit dem Titel „Darf er das?“ viral durch die sozialen Netzwerke. Fast vier Millionen Mal wurde das Video auf youtube gesehen. Ganz klar hat Chris Tall mit seinem Auftritt ein polarisierendes Thema aufgegriffen, Witze über die Behinderung von Menschen, homosexueller Orientierung und ethnischer Herkunft.

 

Der Diskurs über die Grenzen und Möglichkeiten von Humor und Ethik von Comedians wird derzeit intensiv geführt. Nicht nur in sozialen Netzwerken, sondern auch von Leitmedien wie z.B. der Süddeutsche Zeitung, dem Stern, der Welt u.a. wird der Auftritt kontrovers diskutiert.

Doch lässt sich der Erfolg des Auftritts (immerhin ist die 2016 Tournee von Chris Tall fast ausverkauft) nur aufgrund des Inhaltes erklären? Aus einer NLP Sicht gibt es einen Erklärungsansatz: Chris Tall verwendet (bewusst oder unbewusst kann vom Verfasser nicht beurteilt werden) Techniken aus dem NLP, namentlich visuelles und auditives Ankern und Framing.

Kurze vorab ein bisschen Theorie zum besseren Verständnis. Die Bedeutung eines Ereignisses ist von dem Zusammenhängen abhängig, dem Rahmen. Unter Framing versteht man direkt übersetzt das Einrahmen bzw. den Rahmen setzen. Der Prozess der Bedeutungsveränderung wird demnach im NLP als Framing bezeichnet. Findet diese Technik vor einer Intervention statt, wird dies als Preframe (wörtlich „Vor-Rahmen“), nach einer Intervention als Reframe bezeichnet.

Unter Ankern kann man beim NLP eine bewusst konstruierte Reiz-Reaktions-Kopplung verstehen. Demnach ist es, im Pawlow‘schen Sinne, möglich an jeden beliebigen Reiz jede beliebige Reaktion zu koppeln. Die Erzeugung dieses neuen Reflexes wird in der klassisch-behavioristischen Psychologie als Konditionierung verstanden und kann über alle fünf Sinne (visuell, auditiv, kinästhetisch, olfaktorisch und gustatorisch) erfolgen. Hört man z.B. ein bestimmtes Lied und hat dabei einen sehr emotionale Situation, kann das Lied bei einem späteren Zeitpunkt die vorherigen Gefühle wieder auslösen. Diese Erkenntnis wird z.B. beim NLP-Coaching bewusst als Technik eingesetzt.

 

Was macht nun Chris Tall bei seinem Auftritt …. aus NLP Sicht?

 

Zu Beginn erläutert Chris Tall, dass Menschen mehr lachen und Witze erzählen sollen (Preframe: Witze sind gut) und setzt den Anker mit dem Satz/ Frage, welche ihn berühmt gemacht hat: „Darf er das?“ Gleich danach, im nächsten Satz, festigt er den Anker („Du erzählst ein Witz, dann sollen die Leute lachen, aber die lachen nicht, die sagen: Darf er das?“). Dabei verändert Chris Tall die Stimmlage (auditiver Anker) und macht eine Handbewegung zum Kopf mit einem bestimmten Gesichtsausdruck (visueller Anker für den Zuschauer). Direkt danach macht er einen Witz über Homosexualität, welcher ein verhaltenes Lachen bei einigen Zuschauern auslöst und Chris Tall aktiviert den Anker sofort mit Handbewegung zum Gesicht, Gesichtsausdruck und veränderter Stimmlage „Darf der das?“. Als Reaktion darauf lachen und applaudieren nun mehr Menschen.

 

Hierbei nutzt Chris Tall den Preframe, dass Witze gut, erlaubt und notwendig sind, er also Witze auch über Tabu-Themen erzählen darf. Diesen Frame festigt er direkt danach und aktiviert dabei sofort wieder den Anker bei einem anschließenden Frauenwitz.

 

Der weitere Auftritt pendelt zwischen der Legitimitätserklärung (Framing), dass Witze über die Behinderung von Menschen, deren sexueller Orientierung, ethnischer Herkunft usw. in Ordnung sind und der Aktivierung des Ankerns …… „Darf er das?“

 

  • Holger Oswald

 

Kurze Notiz: In diesem Beitrag beschreibe ich verschiedene Methoden aus dem NLP, welche beim Auftritt von Chris Tall zu beobachten sind. Es handelt sich bei diesem Blog-Beitrag lediglich um eine analytische Betrachtung, nicht um eine inhaltliche Zustimmung des Auftrittes.

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